visarte zürich

ausstellung | "kunstetage"

Aufmucken

1. Mai 2010 — 29. Mai 2010

Klara Windemann

Die Künstlerin Klara Windemann aus Zürich (*1975) bildet den Auftakt in der Kunstetage mit der Ausstellung Aufmucken. Ausgehend von der Gewalt als Bestandteil des aktuellen Weltgeschehens und der menschlichen Existenz setzt sie sich bei dem gezeigten Werk mit Geschichte und Geschichten auseinander. Angezogen und gleichzeitig abgestossen von vergangenen Protesten arbeitet sie an einer persönlichen Stellungnahme zu den Geschehnissen. Dabei reflektiert sie ihre Rolle als Künstlerin wie auch ihren eigenen inneren Widerstand. Der Ausstellungsort ist ausschlaggebend für die von ihr gewählte Form der Arbeit. Formal lehnt sich Klara Windemann an die Videosprache der 1980er Jahre an. Sie ergänzt und kommentiert diese aus ihrem Blickwinkel mit eigenem und vorgefundenem Material wie Video, Audio und Text.

Von der geschichtlichen Dimension der Ereignisse überfordert, tastet sich die Künstlerin nur langsam und zögerlich an den Ausruf Scheiss auf Kunst, ich will Revolte! heran. Anstatt Revolte zu betreiben stellt Klara Windemann Fragen auf und türmt Fragmente aneinander. Revolte wird hier im individuellen Sinn verstanden. Der Begriff bedeutet die Auflehnung eines Einzelnen gegen von außen auferlegte oder verinnerlichte Zwänge und Erwartungen.

Inhaltlicher Fokus von Klara Windemanns Werk ist das Aufmucken, ein vorsichtiges Herantasten an das Wort Revolte. Vorerst bedeutet dies aktiv werden, danach folgt das Aufbegehren gegen etwas Bestimmtes. Es ist, Es ist ein vorsichtiges Herantasten an das Wort Revolte. Aufmucken beschreibt einen Zustand des zögerlichen sich Aufrichtens, die Passivität durchbrechen, einmal wagen sich zu zeigen. Vorerst bedeutet dies aktiv werden: sich aufraffen, bewegen, aufstehen. Danach folgt das Aufbegehren gegen etwas Bestimmtes: sich widersetzen und auflehnen. Als würde man sich das Wort Revolte auf der Zunge zergehen lassen und ausprobieren, wie es sich anfühlt, als würde man testen, ob die Revolte überhaupt nur schon gedanklich in Frage käme, es für einen eine Option wäre oder nicht. Es ist die Position eines Angsthasen, der, überraschend für sein Umfeld, aufmuckt und einen lang andauernden Zustand plötzlich und ohne Vorwarnung zu ändern beginnt. Ein lauter Ort hinter dem Busbahnhof erwacht zum Leben.

"kunstetage" / Sihlquai 55 / 8005 Zürich